Texttheatralität

Texttheatralität (FWO Forschungsprojekt 2012-2016)

Das interuniversitäre, vom Flämischen Forschungsfonds (FWO) finanzierte Forschungsprojekt „Texttheatralität. Ein integrativer Ansatz anhand von Narratologie und Performance Studies“ besetzt zum 01.10.2012 die Stelle

einer Doktorandin/eines Doktoranden (100%; das Monatsgehalt entspricht in etwa einem TVL 13 im Umfang von 100%)

für eine Laufzeit von drei Jahren (um ein Jahr verlängerbar). Der/die erfolgreiche Bewerber/in soll im Rahmen des Projekts eine Dissertation zum Thema ‚Texttheatralität‘ anfertigen und sich darüber hinaus in allen Bereichen des Projekts engagieren (Teamsitzungen, Homepagebetreuung, Veranstaltungsorganisation).

Einstellungsvoraussetzungen: ein überdurchschnittlicher Studienabschluss (Magister, Master, Staatsexamen) im Bereich der Germanistik und/oder Theaterwissenschaft, hohe wissenschaftliche Motivation, Teamfähigkeit.

Vom/von der Projektmitarbeiter/in wird erwartet dass er/sie innerhalb von vier Jahren eine Dissertation zum Projektthema vorlegt, die zum Teil auch auf im Laufe der Projektzeit zu realisierenden peer-reviewed Publikationen zurückgreifen kann. Gute Englischkenntnisse sind erwünscht.

Bewerben Sie sich bitte mit folgenden Unterlagen (Exposé zum Dissertationsprojekt, Motivationsschreiben, CV, Kopien Ihrer akademischen Zeugnisse, ev. auch Referenzen von Hochschullehrern/innen).


Richten Sie Ihre Bewerbung bitte per Email an:
Prof. Dr. Gunther Martens (Forschergruppe Deutsche Literaturwissenschaft, Universität Gent, Belgien)
(Gunther.Martens@UGent.be)


Projektbeschreibung
Das spezifische Verständnis von Narrativität und Textualität, das Theorien des Postdramatischen als Feindbild an die Wand gemalt haben, ist unzureichend und nicht dazu geeignet, mit neueren Tendenzen Schritt zu halten, die entweder auf die Bearbeitung von Romanen oder anderen Erzähltexten setzen oder sich neorealistischer bzw. intermedialer Darstellungsformen bedienen, um bisweilen sehr abstrakte, globalisierteThemenkreise sowie Autobiographisches in den Griff zu bekommen.

Die Kehrseite der inzwischen ritualisierten Kritik an Narration und Figuration bildet die unverkennbare Tatsache, dass das intermedial ausgerichtete und von neuen Technologien untermauerte Theater neue Möglichkeiten nutzt, einerseits Sprache und Erzählung selbst als performativ neu zu entdecken, andererseits Texte als materielle Objekte in das Bühnenbild hineinzuprojizieren, zu soufflieren und so überaus präsent zu halten. Auf theoretischer Ebene haben sich die kognitive Stilistik und die Narratologie (z.B. Richardson) längst einer Reihe von Phänomenen angenommen, die die Erzählbarkeit (tellability) von Zuständen und Ereignissen auf anderen Ebenen verorten als auf denjenigen der Figuration, der Fiktionalität oder des Plots. Daraus ist ein Ansatz zur Beschreibung von Texttheatralität entstanden, den es nun einerseits auf nicht fürs Theater gedachte Texte zurückzubeziehen, andererseits auf die neuere Performancekultur anzuwenden gilt. Wir können dabei auf die Konzeption einer analytischen Texttheatralität (Birkenhauer 2005) sowie auf weitere relevante Vorstudien zurückgreifen (Richardson, Neumann, Hauthal, Swyzen/Vanhoutte), die wir aber um den Blickwinkel der Narratologie und der konkreten Inszenierungsanalyse ergänzen möchten.

Zum Korpus dieses Forschungsprojektes gehören Inszenierungstexte, die von postdramatischer Warte aus als „textlastig“ gelten. Zu den im Rahmen des Forschungsprojekts relevanten Autoren und (Inszenierungs)Texten gehören in erster Linie: Karl Kraus‘ „Lesedrama“ Die letzten Tage der Menschheit, Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften, sowie ausgewählte (Inszenierungs)Texte von Elfriede Jelinek und René Pollesch. Das Projekt bemüht sich um den Nachweis, dass diese Texte und ihre Inszenierungen Erzähler- und Figurenkonstellationen ins Spiel bringen, die dazu geeignet sind, normativ verfestigte Vorstellungen von Autorität und Normalität auszuhebeln und die figurierten Identitäten erneut ins Schwanken zu bringen.

Das interuniversitär aufgestellte und interdisziplinär ausgerichtete Projekt macht es sich zum Anliegen, die Performativität literarischer Texte auszuloten, indem ihre Anschlussfähigkeit an postdramatische und andere Inszenierungspraktiken in den Blick genommen wird. Galten der Text und der Plot im Rahmen der postdramatischen Inszenierungspraxis als das zu Zersetzende schlechthin, so führt gerade die Öffnung des Theaterraums in Richtung von Stadtraumaktion, szenisch-rhapsodischer Lesung und neuen dokumentarischen Formen dazu, dass Texttheatralität als neuartige, multimodale „Armatur“ und in vielen Formen (art brut, Anweisungen, Übersetzungen, Untertiteln und Augmented Reality Tags) integriert wird. Richtunggebend sind hier nicht in erster Linie die Theorien zum Drehbuchschreiben, sondern gerade Ansätze, die die Widerstände gegen das Erzählen in den Blick nehmen und als Ausgangspunkt für die Beschreibung der spannungsvollen Kopräsenz von Text und Theatralität nehmen. Dieser integrierte Ansatz kann solchermaßen für einen erweiterten, stärker interdisziplinär ausgerichteten Begriff von Erzählen fruchtbar gemacht werden.

Bibliographie und zusätzliche Information


Für weitere Auskünfte wenden Sie sich bitte an die Mitglieder des Projektteams
Prof. Gunther Martens
Prof. Benjamin Biebuyck (UGent, Forschergruppe Deutsche Literaturwissenschaft)
Prof. Katharina Pewny (UGent, S:PAM - Studies in Performing Arts & Media)
Prof. Inge Arteel (VUB, CLIC)
Prof. Johan Callens (VUB, CLIC)


 "Texttheatralität. Ein integrativer Ansatz anhand von Narratologie und Performance Studies" ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, das vom Flämischen Forschungsfonds finanziert und an die Universität Gent (UGent) bzw. die Freie Universität Brüssel (VUB) angebunden ist. 

Text Theatricality. An integrated approach through narratology and performance studies

Kontakt

Prof. Gunther Martens
Forschergruppe Deutsche Literaturwissenschaft
Universität Gent
Blandijn 2, B-9000 Gent
Tel. 003292644093
Fax. 003292648999